Nachlese: BL- Motorisierung eines HLG

 
So ganz unüblich ist es wohl auch unter Modellfliegern nicht, dass Modelle im Laufe der Zeit Modelle nicht mehr geflogen werden und ihr „Dasein“ in der Abstellkammer fristen. Da verstauben sie und eigentlich sind sie viel zu schade um da zu vergammeln. Aber es gib ja soviel Neues, was man ausprobieren möchte und so geschieht das halt. Hin und Wieder landet man aber doch noch mal da, wo man diese alten Schätze abgelegt hat und oft kommen einem dabei wieder neue Ideen: „ da könnte man doch was draus machen….“

In diesem Fall war es ein in die Jahre gekommener HLG, der sicherlich nicht mehr heutigen Ansprüchen genügt, aber hinsichtlich seiner Konstruktion gute Segeleigenschaften versprach. Auch dass hatte der Salsa schon vor Jahren bewiesen. Nur das mit dem Schleuderwurf Auf- Höhe- Bringen bekam ich nicht so hin und das war auch der Grund, dass dieses Modell ins Abseits geriet.

Nun zum Salsa; ich fasse mal alles zusammen:

Der Salsa stammt aus dem Hause Horejsi Models (www.horejsi.cz) und wurde u.a. hier in Deutschland von der Fa. Bichler vor ca. 12 Jahren vertrieben. Geliefert wurde ein „ARF-Kit“, d.h. der Salsa ist also schon weitgehend fertig gebaut. Fläche und Leitwerke sind bespannt. Der Leitwerksträger ist noch mit dem Rumpfvorderteil zu verkleben, ebenso das Kreuzleitwerk. Letztlich ist also nur der Einbau der RC-Anlage nebst Servos und Wurfstift zu bewerkstelligen. Alles in Allem auch für einen weniger versierten Modellflieger kein Problem.

 Salsa01

Hier nun einige Daten zum Salsa:

Spannweite: 1,5m
Länge:         1,09m

Gewicht:      310 gr.
Fläche:      27,6 dm²

Flächenbelastung : 12 gr/ dm²

Profile:        S 6063 s6063.dat \ Selig S6063 low Reynolds number airfoil \ s6063.gif\ \ \ Low Reynolds   number data   http://www.ae.uiuc.edu/m-selig/ads/coord_database.html

 Salsa02

Beim Aufbau meines Salsas (oder besser Zusammenbau?) erschien mir die Anlenkung von Höhen- und Seitenruder über Seile und Gummizug nicht gerade optimal, zog doch auch in Neutralstellung das jeweilige Servo permanent Strom. Hier habe ich auf Bowdenzüge mit 0,5 mm Stahldraht zurückgegriffen (auch wenn das was schwerer erscheint!). Heute würde ich Z-förmige Torsionsfeder aus 0,3 mm Federstahl vorziehen, aber die Lösung kannte ich damals noch nicht.

Ich deutete schon an: Da ich die traumhaften Schleuderhöhen der jüngeren Kollegen mit ihren HLG`s als „alter Sack“ eh nicht mehr erreichte, waren meine persönlichen Chancen etwas mehr über die guten Flugeigenschaften meines Salsa`s zu erfahren eher begrenzt. Auf Grund der von mir erzielten geringen Ausgangshöhen war derselbe schneller wieder unten, als mir lieb war. Von einem unserer HLG- Cracks geflogen, konnte ich mich jedoch davon überzeugen, dass mein Salsa gut flog. Nur, es geht ja nichts über das eigene Erleben!

Also reifte der Entschluss, den Salsa mit einem Elektromotor auf zu rüsten. Problem war aber Anfang des Jahrtausends: BL- Motore gab es kaum über die Ladentheke. Also war Selbstbau angesagt.

Ergo habe ich meinen Salsa mit einem selbst gebauten BL- Außenläufer CDR 200-5-30-DR ausgestattet. Im Funktionstest bringt er es an 11,1 V locker auf 15800 min-1 und das bei 0,5 A Leerlaufstrom. Dieser kleine Motor wiegt gerade mal 24 g, so dass man schwerpunktmäßig mit einem 3S-Lipoly-Akku 640 mAh und einer Klappluftschraube ohne Blei auskommt. Allein 3 ausgedehnte Flüge und erst dann schaltete die ESC- Unterspannungserkennung ab. 3S-Lipoly, 640 mAh reichen also für fast 30 min Flugzeit; Steigen – Höhe absegeln, keine Thermik genutzt. Die Kollegen waren ob der Steigleistung und den Flugeigenschaften begeistert.

Weitere Zutaten: Graupner Klappluftschraube 6“x3“ (Last: ca. 11050 min-1, 5,4 A), Drehzahlsteller Phoenix 10, 3S Kokam 640 mAh, RX Rex5 plus, 4 Sevos Graupner 1018.

Gesamt- Fluggewicht ca.370 g, Flächenbelastung also 13,5 d/dm²

Sicherlich bietet diese Modifikationen noch einiges Potential zur Gewichtseinsparung. Und dann noch mit 2S-Lipoly 350 mAh müsste ein Fluggewicht von unter 330 gr. realisierbar sein.

Hier noch Fotos vom Aufbau:

 Salsa03

Geöffnete Rumpfhaube mit Blick aufs Akkufach.

Salsa04

Rumpfhaubenverschluss, Links Kohlestab, rechts gefederte Sperrklinke

Salsa05

Blick ins Cockpit: mo: Drehzahlsteller, mr Motor, mu Stromanschluss
Die Haube über die Sperrklinke abgenommen und den Stecker gezogen, schon ist das Modell „stromlos“.

Salsa06

Die Akkufachbefestigung erfolgt von der Rumpfunterseite mit 2 M3- Plastikschrauben. Damit das Muttergewinde im weichen Balsa- Holz nicht gleich kaputt geht, kann man die Gewindebohrungen mittels dünnflüssigem Sekundenkleber „härten“. Haltbarer sind die eingeklebten kleinen Alu- Gewindebüchsen allemal.

Salsa07

Hier sieht man die Servo- Befestigung, die ähnlich, wie das Akkufach ihren Halt im Rumpf erhält.

 Salsa08

Der Akku ist eingesetzt. Schließt man jetzt die rote Steckverbindung, dann ist das Modell „scharf“. Natürlich sollte noch die Haube drauf und vorher den TX einschalten!

 Salsa09

Hier sieht man die Ruderansteuerung mittels Stahldraht. Funktioniert auch bei hohen Geschwindigkeiten ohne Ruderflattern.

Die Querruder- Anlenkung Stahldraht – Ruderhorn wurde zuerst in Schrumpfschlauchtechnik realisiert. Spielfrei war diese, aber die Leichtgängigkeit der Anlenkung ließ zu wünschen übrig. Kraftmäßig schaffen die Servos das. Trotzdem habe ich es auf leichtgängige „Drahthaken“ geändert und weitestgehend spielfrei gelang das auch!

Wie oben bemerkt wurde der Salsa ursprünglich mit einem Graupner MX16S- Sender (35 MHz- Anlage) geflogen. Wenn man mit der Programmierung eines Senders halbwegs gut zu recht kommt wechselt man nicht gerne den Sender. Überlegungen zur Beibehaltung des Senders führten dann im Weiteren zu einem Umbau der MX16s mit einem preiswerten Frsky-Kit (TX+RX ca. 50€) auf 2,4 GHz. Doch das ist wieder eine andere Geschichte.

Fazit:

Ohne die Motorisierung des Salsa`s hätte ich nie Erfahren, was mit einem modernen Hochleistungsprofil möglich ist. Bei dem S 6063 bleibt nur festzustellen, dass der Salsa sich trotz der geringen Flächenbelastung erstaunlich gut auch bei Wind fliegen lässt, wo ich sonst nicht fliege. Selbst dann marschiert er noch gegen den Wind und wenn es mal zu stark weht: Leicht angedrückt ist auch diese Situation kein Problem. Provozierte Strömungsabrisse quittiert der Salsa mit „Nase runter“ und Fahrt aufholen. Da geht nichts über eine Fläche ins Trudeln oder so.

Noch Fragen???

Heinrich Hilgers

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